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Escape Room: "Menschen Schauen"

🗓 27./28. Juni 2026 und 04./05. Juli 2026
Mehrere Slots

📍 Johannes Brahms Schule Pinneberg
25421 Pinneberg

ℹ️ Anmeldung: vhs Pinneberg

Wie ein Escape Room koloniale Geschichte lebendig macht

Ein verschlossener Raum, ein Rätsel, ein Thema, das es in sich hat: Mit dem Pop-up-Escape-Room „MenschenSchauen – Escape Colonialism" hat die Partnerschaft für Demokratie (PfD) Pinneberg ein Projekt gefördert, das zeigt, wie kreativ und wirkungsvoll Demokratie- und Erinnerungsarbeit vor Ort sein kann. Vom 26. Juni bis 5. Juli 2026 verwandelte sich ein Teil der Johannes-Brahms-Schule Pinneberg in einen Ort, an dem über 150 Menschen zwischen 13 und 60 Jahren spielerisch in die Geschichte der sogenannten „Völkerschauen" eintauchten und dabei ganz nebenbei etwas über sich selbst, ihre Stadt und die Gegenwart lernten.

Ausgangspunkt der Geschichte ist ein Ort, den viele Menschen in der Region gut kennen: der Tierpark Hagenbeck. Genau dort fanden vor über hundert Jahren „Völkerschauen" statt, Ausstellungen von Menschen aus kolonisierten Gebieten, die zur Belustigung eines zahlenden Publikums zur Schau gestellt wurden. Diese regionale Nähe ist es, die das Projekt so besonders macht: Koloniale Geschichte wurde hier nicht als abstraktes Thema irgendwo auf der Welt verhandelt, sondern als etwas, das buchstäblich vor der eigenen Haustür begann und bis heute nachwirkt.

Ein Format, das Barrieren abbaut

Was den Escape Room von klassischer historisch-politischer Bildung unterschied, war sein spielerischer, niedrigschwelliger Zugang. Statt eines Vortrags oder einer Ausstellungstafel erlebten die Teilnehmenden Geschichte aktiv: Sie lösten Rätsel, entdeckten Zusammenhänge selbst und gerieten dabei fast unbemerkt in eine inhaltliche Tiefe, die ein klassisches Format so nicht erreichen würde. Ein wirksames Konzept, das Menschen anspricht.

Nach jedem Escape-Room Durchlauf schloss sich eine moderierte Austauschrunde an, in der das Erlebte historisch eingeordnet wurde. Eine begleitende Ausstellung vertiefte die Hintergründe der „Völkerschauen" und rückte dabei bewusst auch die Perspektiven der Menschen in den Blick, die damals ausgestellt wurden – nicht nur die der Zuschauenden. In den Gesprächen zeigte sich immer wieder, wie eng die Teilnehmenden die historischen Fragen mit ganz gegenwärtigen Themen wie Rassismus, Ausgrenzung und gesellschaftlichem Zusammenleben verknüpften. Genau dieser Transfer von Geschichte in die Gegenwart ist der eigentliche Kern gelungener Erinnerungsarbeit.

Gemeinsam und Zusammen

Besonders bemerkenswert war die Bandbreite der Menschen, die dieses Projekt möglich gemacht haben: Schülerinnen und Schüler der Geschichts-AG, ehrenamtlich Engagierte aus der Stadt und pädagogische Fachkräfte wurden gemeinsam in einer eigens konzipierten Spielleiterausbildung geschult, um Besucherinnen und Besucher kompetent durch die Räume zu führen. Damit war das Projekt nie nur ein Angebot für ein Publikum. Im Gegenteil, es wurde von einer breiten, generationenübergreifenden Gruppe aktiv mitgestaltet und getragen. Diese Beteiligungsstruktur ist selbst schon ein Stück gelebte Demokratiearbeit: Verantwortung wird geteilt, Wissen wird weitergegeben, und aus Zuschauenden werden Mitgestaltende.

Realisiert wurde „MenschenSchauen" durch das Zusammenwirken mehrerer Partner: Lisa Ströer, Referentin für Erinnerungskultur des Kreises Pinneberg, holte das Projekt in die Stadt und setzte es in Zusammenarbeit mit der Courage-AG, den Lehrkräften und Teilnehmenden der Geschichts-AG der Johannes-Brahms-Schule sowie dem einhornkollektiv, Agentur für kulturelle Transformation, gemeinsam um.

Demokratische Partizipation mal anders gedacht

Für die PfD Pinneberg bündelte dieses Projekt mehrere Stärken, die für die Demokratiearbeit vor Ort selten in dieser Kombination zusammenkommen: Es erreichte sehr unterschiedliche Zielgruppen gleichzeitig, von 13-Jährigen bis zu Menschen weit über 50 Jahre, es verband historisches Lernen mit unmittelbarer gesellschaftlicher Relevanz, und es aktivierte Ehrenamt und Schule gleichermaßen, statt nur ein Publikum zu adressieren. Mit über 150 Teilnehmenden in nur zehn Tagen hat das Format eindrucksvoll gezeigt, dass niedrigschwellige, partizipative Zugänge zu schwierigen Themen funktionieren und dass Demokratieförderung und Erinnerungskultur, richtig umgesetzt, weit mehr sein kann als Pflichtprogramm.

Mit der Förderung dieses Projekts setzt die Partnerschaft für Demokratie Stadt Pinneberg ihr Ziel um, Demokratiebildung, Vielfaltgestaltung und Extremismusprävention vor Ort zu stärken und dabei möglichst viele gesellschaftliche Gruppen aktiv einzubinden. Formate wie dieses machen deutlich, wie viel dabei möglich ist, wenn Geschichte, Engagement und ein bisschen Mut zum Experiment zusammenkommen.