Erinnerung an die Opfer der NS-Zeit durch Stolpersteine
Ein Teil der Erinnerungskultur in der Stadt Pinneberg sind die Stolpersteine. Diese sind ein Projekt des Künstlers Gunter Demnig, welches er seit 1992 in Europa ausführt.
In diesem Projekt werden goldene Steine in den Boden eingelassen, die den Namen einer in der NS-Zeit ermordeten Person tragen. Außerdem steht auf ihnen etwas über das Leben der Person und was die Ursache von ihrem Tod war. Die Stolpersteine sollen möglichst vor dem letzten selbstgewählten Wohnort der Person in den Boden eingelassen werden.
Die Stolpersteine in Pinneberg
Gemeinsam mit dem Künstler Gunter Demnig verlegten am 30. November 2009 Schülerinnen und Schüler der Integrierten Gesamtschule Thesdorf (IGS) erstmals in der Stadt Pinneberg drei Stolpersteine. Die Steine erinnern an die Pinneberger Kommunalpolitiker Heinrich Boschen, Wilhelm Schmitt und Heinrich Geick, die Opfer des NS-Regime wurden. Am 5. Juni 2026 sind sechs weitere Stolpersteine für Zwangsarbeitende, Kinder von Zwangsarbeitenden, als Juden und als sogenannte Berufsverbrecher verfolgte Pinneberger verlegt worden.
Detailinformationen zu den Opfern gibt es z. B. auf den Seiten des Fördervereins Gegen das Vergessen – Spurensuche im Kreis Pinneberg und Umgebung 1933-1945 e.V.:
Stolperstein-Verlegung am 5. Juni 2026 in Pinneberg
Im Juni 2026 sind in Pinneberg sechs Stolpersteine und ein Kopfstein an insgesamt drei Orten verlegt worden. Die Initiative und Organisation zu dieser Verlegung erfolgte durch die Pinneberger Initiative 8. Mai, die seit Ende 2023 an diesem Projekt gearbeitet hat. Die Finanzierung erfolgt zu großen Teilen durch Spenden von Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt.
Im Damm 23 wird nunmehr an Cornel Ferdor Ingus, der Opfer rassistischer Verfolgung wurde, erinnert. In der Mühlenstraße 21a erinnert nun ein Stolperstein an Adolf Stehr, der während der NS-Zeit als sogenannter Berufsverbrecher verfolgt wurde.
Auf der Südseite des Bahnhofs wurden Stolpersteine für Wachlaw Bartzik sowie für Walja Wolzkow und dessen Eltern Marja und Marcel Wolzkow verlegt. Die Familie war zur Zwangsarbeit nach Deutschland verschleppt worden.
Stolpersteine sind in den Gehweg eingelassene Gedenksteine, die an die Opfer des Nationalsozialismus erinnern. Sie werden vom Künstler Gunter Demnig vor dem letzten frei gewählten Wohnort der Verfolgten verlegt und tragen eine Messingtafel mit Name, Lebensdaten sowie Angaben zu deren Verfolgung oder Ermordung. Demnig selbst konnte in Pinneberg aus gesundheitlichen Gründen nicht dabei sein und wurde von seinem Assistenten Frank-Matthias Mann vertreten.
Erinnerung bewahren mit der App „Stolpersteine Digital“
Infomationen zu allen Stolpersteinen in Schleswig-Holstein und zu den Biografien der Opfer gibt es in der App „Stolpersteine Digital“ des Landesbeauftragten für politische Bildung Schleswig-Holstein.
So funktioniert’s:
- Stolpersteine scannen: Mit der Kamera des Handys lassen sich die Steine vor Ort identifizieren. Die App zeigt die Lebensgeschichte der Person, an die der Stein erinnert.
- Virtuelle Gedenkkerzen: Nutzerinnen und Nutzer können eine digitale Kerze am Stolperstein platzieren und mit einer persönlichen Botschaft ergänzen.
- Interaktive Karte: Alle Stolpersteine in Schleswig-Holstein – auch die in Pinneberg – sind in der App verzeichnet.
Die App „Stolpersteine Digital“ steht kostenlos im App Store und im Google Play Store zum Download bereit.
Projekte in Pinneberg
Die Namen dieser gleichen Personen, Heinrich Boschen, Heinrich Geick und Wilhelm Schmitt, können auch in anderen Projekten zum Thema Erinnerungskultur in Pinneberg wiedergefunden werden.
Ihre Namen stehen auf dem VVN (Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes) Denkmal am Rathaus in Pinneberg und können auch auf Zusatz-Straßenschildern gefunden werden. Diese ergänzen Straßenschilder, in Straßen welche nach ihnen benannt sind, mit mehr historischem Wissen über die eigentliche Person. Dabei soll, genau wie bei den Stolpersteinen, die Person zu mehr als einem Namen werden und ihre Erinnerung gewahrt bleiben.